Vielfalt muss gelebt werden

Die Welt verändert sich rasant. Kulturen wachsen zusammen und Menschen haben den Anspruch, ohne Einschränkungen und in ihrer Einzigartigkeit geschätzt zu werden. Aufgrund der größer werdenden Vielfalt werden auch die Kundenbedürfnisse immer unterschiedlicher. Um diese weiterhin zu erfüllen und somit zukunftsfähig zu bleiben, müssen sich moderne Unternehmen also mit menschlicher und kultureller Vielfalt auseinandersetzen – intern und extern. Das Stichwort heißt „Diversity“.

Je diverser, desto erfolgreicher?

Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen trägt maßgeblich zur Unternehmenskultur bei. Und offenbar auch zum Unternehmenserfolg, wie Studien beweisen! Besonders groß ist dieser Zusammenhang beim Frauenanteil im Topmanagement. Dazu gehören die Vorstandsebene plus zwei bis drei Ebenen darunter. Die aktuelle McKinsey-Studie „Delivering Through Diversity“ ergab, dass Unternehmen, die hier besonders gut abschneiden, eine 21 % größere Wahrscheinlichkeit haben, überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Überraschend: In Deutschland ist dieser Effekt besonders deutlich, hier verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit des überdurchschnittlichen Geschäftserfolgs sogar!

Ein weiteres Ergebnis dieser Studie: Auch die ethnische/kulturelle Vielfalt im Führungsteam ist entscheidend. Ist sie besonders ausgeprägt, steigt die Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, um 33 %. Das deutet darauf hin, dass die Einstellung unterschiedlicher Individuen ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Unternehmen sein kann.

Weitere internationale Studien kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen Diversität und Geschäftserfolg gibt. „Diversity stärkt nicht nur die Unternehmenskultur, sondern treibt auch Arbeitsprozesse voran – damit ist Vielfalt für deutsche Unternehmen mehr als nur Balsam für die Unternehmerseele“, so eine aktuelle Diversity-Studie von Page Group. Fakt ist: Durch Vielfalt gewinnt ein Unternehmen unterschiedliche Perspektiven und kann so besser auf die ebenfalls vielfältigen Kundenwünsche eingehen. Kurz: Diversity macht ein Unternehmen „bunt“!

Aber: Deutschland ist ein Diversity-Entwicklungsland!

Auch für die Mitarbeiter spielt Diversity eine große Rolle. Immerhin geben laut der Studie von Page Group rund 73 % der Befragten an, dass Diversität ein Kriterium für die Bewerbung um eine neue Stelle darstellt! Bei all diesen offensichtlichen Vorteilen ist es erstaunlich, aber Tatsache: Obwohl Diversity überall als wichtig angesehen wird, hat das sonst so fortschrittliche Deutschland laut Page Group Nachholbedarf. Vor allem in den Bereichen flexible Arbeitsmodelle, Gleichstellung und Förderung von Frauen sowie gesellschaftliche Offenheit und Toleranz gibt es noch viel Luft nach oben.

Aber wie funktioniert denn nun ein erfolgreiches Diversity Management?

Diversity ist mehr als nur ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor – und sie ist kein Selbstläufer. Sie muss gefördert und gelebt werden. Erst dann ist sie für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen ein Gewinn. Hier kommt Vorgesetzten und Human Resources eine tragende Rolle zu. Sie müssen stets über die unterschiedlichen Stärken und Qualifikationen in ihrem Unternehmen im Bilde sein, um diese effektiv zu nutzen.

Ist Ihr Unternehmen reif für Diversity?

Laut Christoph Kull, Geschäftsleiter DACH bei Workday und Autor beim Human Resources Manager, kann Diversity anhand der folgenden sechs Schritte in Unternehmen verankert werden:

  1. Datenerfassung durch ein HCM (Human Capital Management) System, um Probleme frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu finden

  2. Steigerung der Diversität von Bewerbern, indem die Zielvorgaben für eine neue Stelle für alle zugänglich gemacht werden

  3. Gerechte Entlohnung – Gleichberechtigung beachten und einhalten

  4. Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter auf Diversität achten und die Prozesse immer wieder kontrollieren, damit keine unbeabsichtigten Vorurteile entstehen

  5. Bei der Nachfolgeplanung auf Aspekte wie Alter, Geschlecht und Herkunft achten und damit eine diverse und inkludierte Arbeitsumgebung schaffen

  6. “Pulse Surveys” durchführen – schnelle Umfragen, die kontinuierlich ein direktes Feedback über die Stimmung unter den Angestellten ermöglichen

Diversity bei Athlon

Beim Diversity Day von Daimler Financial Services im letzten Jahr hatten die Athlon Mitarbeiter die Möglichkeit, einmal die Perspektive zu wechseln. Wie fühlt es sich an, im Rollstuhl durchs Unternehmen zu fahren oder in der Kantine zu essen, wenn man nichts sieht? Der Diversity Day war jedoch lediglich ein Anstoß – gelebt werden muss die Vielfalt das ganze Jahr über. Und sie muss immer wieder neu gefördert werden.

Thomas Weltrowski, der Vertreter für Diversity & Inclusion bei Daimler Financial Services für Europa, sieht Diversität nicht nur als Garant für Unternehmenserfolg, sondern als Produkt des gesunden Menschenverstands und auch als Mitarbeiter-Motivation. Das Gefühl, anerkannt zu werden, ist für die meisten Mitarbeiter ungeheuer wertvoll – besonders für diejenigen, die das bisher nicht als Selbstverständlichkeit erfahren durften. Weltrowski hat eine klare Mission: „Wir können die Komplexität der Welt entweder ignorieren und scheitern – oder wir können sie umarmen und genau daraus einen Wettbewerbsvorteil machen. Deshalb werden wir jeden Tag dafür kämpfen, dass die Welt etwas bunter wird.“

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