Es müssen nicht immer Elektroautos sein

Elektroauto, Hybrid, Brennstoffzelle oder Autogas: Welcher Antrieb macht für welche Fuhrparknutzer am meisten Sinn?

Der Dieselskandal hat das Interesse an alternativen Antrieben verstärkt. Aber für wen passt was?
E-Auto, Hybrid-, Brennstoffzellen- oder LPG-Antrieb – jede Technologie hat Stärken und Schwächen. Und wenn auch der Diesel bislang noch als Vertriebsfahrzeug die Nase vorn hat (siehe Dataforce Diagramm unten), sind alternative Antriebe auch beim klassischen Fuhrpark im Kommen. Denn unter den richtigen Rahmenbedingungen sind sie umweltfreundlicher als Diesel und Benziner und tragen damit ihren Teil zum Umweltschutz bei. Ganz gleich, ob den Nutzern nun Verbrauch, Kosten, Reichweite oder Fahrspaß am wichtigsten sind: Entscheidend ist, für jedes Anforderungsprofil den passenden alternativen Antrieb zu finden.

© Dataforce Verlagsgesellschaft für Business Informationen mbH 2018. Befragung Fuhrparkverantwortliche Juli/August 2018.

Das E-Auto, die Alternative für Pendler und Stadtfahrer

Sie sind leise, abgasfrei und lassen bei der Beschleunigung viele Benziner alt aussehen: Elektroautos, sie sind der Inbegriff sauberer urbaner Mobilität. Erst recht, wenn sie mit Strom aus regenerativer Erzeugung durch die Gegend surren. Doch es gibt immer noch Vorbehalte, wie die Dataforce Befragung zeigt, besonders hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit.

© Dataforce Verlagsgesellschaft für Business Informationen mbH 2018. Befragung Fuhrparkverantwortliche Juli/August 2018.

Es gibt zwar Kaufprämien von 4.000 Euro für reine Elektroautos und 3.000 Euro für Plug-in-Hybride, doch die Anschaffungskosten sind deutlich höher als bei den entsprechenden Diesel-Varianten. Seit Anfang 2019 gibt es nun auch eine Neuregelung der Dienstwagen-Besteuerung für Elektrofahrzeuge. Der Brutto-Listenpreis für Elektro- und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge wird nur zur Hälfte angesetzt, sodass der geldwerte Vorteil von 1 % auf 0,5 % abgesenkt wird. Diese Halbierung gilt auch für Fahrten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte sowie für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung – so können Dienstwagenfahrer von Elektro- und Hybridfahrzeugen weitreichend profitieren.

Das Thema Betriebskosten hat die Unternehmensberatung Progenium(1) im Rahmen einer Studie untersucht. Ergebnis: Die Gesamtkosten für E-Fahrzeuge in der Kompaktklasse sind ähnlich den Gesamtkosten für Benziner und Diesel. Spannender wird es laut den Beratern von Progenium bei kleinen E-Transportern. Diese sind über die gesamte Haltedauer rund 400 Euro günstiger als Dieselfahrzeuge.

Als noch immer nachteilig wird die eingeschränkte Reichweite gesehen. Doch die Akkuentwicklung macht rasante Fortschritte. Reichweiten von rund 500 Kilometern sind keine Seltenheit mehr. So gibt Tesla für das Model S (Modell „Maximale Reichweite“) eine Reichweite von bis zu 610 Kilometern nach WLTP(2) an. Auch Mercedes-Benz beschleunigt in eine elektrische Zukunft: Der Mercedes EQC 400 4MATIC kommt auf bis zu 390 Kilometer rein elektrische Reichweite (WLTP)(3).

Je urbaner das Modell, desto kürzer der Weg zur nächsten Steckdose: Der VW e-Golf schafft 231 Kilometer (WLTP)(4), der aktuelle BMW i3 bis zu 260 km (WLTP)(5). Zu den Bestsellern im Volumensegment zählen derzeit smart fortwo EQ, Renault Zoe, VW e-Golf, BMW i3 und Nissan Leaf. In der Luxusklasse ist Teslas Model S eines der beliebtesten E-Autos. Die umweltfreundliche Alternative zu Mittelklasse-Dienstwagen ist Teslas Model 3 mit einer WLTP-Reichweite von 409 Kilometern (Modell Standard-Reichweite Plus)(6).

Auch die Ladeinfrastruktur wächst schnell. Der ADAC zählte im April 2019 17.500 Ladesäulen(7) im Bundesgebiet. Tendenz: stark steigend. Es finden allerdings aktuell lediglich 20 % aller Ladevorgänge an öffentlichen Ladesäulen statt. Umso wichtiger ist der zügige Ausbau der Ladeinfrastruktur in Unternehmen, um E-Mobilität affinen Mitarbeitern die Möglichkeit des günstigen Ladens während der Arbeitszeit zu ermöglichen. Auch über den richtigen Stecker muss man sich bald keine Sorgen mehr machen. In Zukunft unterstützt jeder Ladepunkt in der Europäischen Union und jedes Fahrzeug europäischer Hersteller das sogenannte Combined Charging System (CCS)(8).

Der Plug-in-Hybrid, das Beste aus beiden Welten

Hybridfahrzeuge haben sowohl einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor. Es gibt verschiedene Arten von Hybrid-Technologien: Voll-Hybrid, Mild-Hybrid, Micro-Hybrid und Plug-in-Hybrid. Für viele Automobilproduzenten gilt der Plug-in- bzw. Steckdosen-Hybrid als Brückentechnologie zur E-Mobilität. Dementsprechend ist das Modellangebot an den sogenannten Steckdosen-Hybriden auch am umfangreichsten. In aller Regel werden große Limousinen und SUVs damit ausgestattet.

Das sind die Vorteile der Plug-in-Technik:

Die Batterie wird auf zwei Arten geladen, sowohl über die Steckdose als auch mittels Energierückgewinnung bei jedem Bremsvorgang. Plug-in-Hybride können über kürzere Strecken rein elektrisch gefahren werden. Die emissionsfreie Reichweite liegt je nach Größe des Akkus bei bis zu 50 Kilometern.

Nachteile:

Zwei Motoren bringen mehr Gewicht auf die Waage, was bei Fahrten im Verbrennungs-Modus mit einem höheren Kraftstoffverbrauch zu Buche schlägt. Mit der Einführung der strengen Verbrauchsmessung WLTP wurden auch die Verbrauchs- und Emissionswerte neu bewertet, sodass einige Modelle keine Umweltprämie mehr bekommen. Darum sollte man bei der Modellwahl aufmerksam sein, damit einem der Öko-Bonus nicht entgeht. Das Bundesfinanzministerium listet alle förderfähigen Fahrzeuge(9) auf.

Das Elektroauto mit Brennstoffzelle, der Exot

Es handelt sich dabei um ein E-Auto mit einem kleinen Wasserstoffkraftwerk, das Strom produziert, der an den Elektromotor weitergeleitet wird. Brennstoffzellenautos sind leise, hinterlassen lediglich Wasserdampf, sind in wenigen Minuten vollgetankt und ihre Reichweite ist vergleichbar mit denen eines Diesels. Kurz: kein Gedanke an die nächstmögliche Ladestation, an besetzte Säulen und an langatmige Zwangspausen. Autos mit Brennstoffzelle sind eigentlich der perfekte Antrieb für eine saubere Zukunft. Der Haken: Es gibt relativ wenige Wasserstoff-Tankstellen, landesweit sind es aktuell nur 75(10). Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich schätzen, dass für den Aufbau der kompletten Infrastruktur Investitionen in Höhe von über 60 Milliarden Euro nötig wären. Doch mit H2 Mobility Deutschland will eine einzigartige unternehmerische Initiative für einen flächendeckenden Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur sorgen.

Noch ist die Produktion von Wasserstoff kompliziert, sodass die Energiebilanz sogar schlechter ausfällt als bei herkömmlichen Kraftstoffen. Dennoch behaupten manche Experten, dass Wasserstoff Elektro ersetzen wird. Ein außergewöhnliches Antriebskonzept kommt auch von Mercedes-Benz: Der GLC F-Cell ist gleich zweifach elektrisiert, denn er kombiniert Brennstoffzellen- mit Batterietechnik und kann somit von größerer Reichweite profitieren. Ist keine Wasserstoff-Tankstelle an der Strecke, kann ganz einfach wie bei anderen Elektroautos geladen werden.

Das Autogasauto, eine echte Alternative für Vielfahrer

Dank Steuervergünstigungen schwanken die Autogas-Preise zwischen 0,54 und 0,80 Euro. Ein Autogas-Fahrzeug (LPG) tankt also erheblich günstiger als ein Diesel oder Benziner. Deswegen rechnen sich die meisten Autogasmodelle schon ab 10.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr. Je größer die Fahrleistung, desto höher die Ersparnis. Jedenfalls noch bis 2023. Denn dann entfällt die steuerliche Begünstigung von Autogas.

Der alternative Antrieb wird auch aus anderen Gründen geschätzt: wegen der niedrigeren Treibhausgaswerte – ein LPG-Fahrzeug stößt im Vergleich zu einem Diesel über 95 % weniger Stickoxide aus – und der flächendeckenden Brennstoff-Versorgung. Nach Angabe des deutschen Verbandes für Flüssiggas bieten derzeit etwa 7.000 Tankstellen in Deutschland Autogas an. Damit kann der günstige Treibstoff an nahezu jeder zweiten Tankstelle gezapft werden. Europaweit gibt es an ungefähr 30.000 Stationen Flüssiggas. Vor allem in Italien und den Niederlanden ist LPG ein verbreiteter Kraftstoff.

Nachteil: Ab Werk werden nicht viele Modelle mit Autogasantrieb angeboten. Auch wenn sich die meisten Benziner problemlos auf einen Autogasantrieb umrüsten lassen, bleibt anzumerken, dass der Verbrauch des umgerüsteten Fahrzeugs um ca. 5 % steigt und ein entsprechender Tank eingebaut werden muss. Werkstätten bieten den Umbau ab etwa 1.800 Euro an.

 Jetzt noch mehr erfahren: Dataforce Powertrain 2018: Tanken oder Laden? Die neue Online-Studie zur Zukunft der Mobilität.

Welche Technologie macht das Rennen?

Der Trend der Zukunft geht zu saubereren Technologien – das zeigt auch die Studie von Dataforce oben. Die neue 0,5-%-Regel für den halben Steuersatz zur Privatnutzung von E-Autos erzielt außerdem erste Wirkung. Wenn dann noch die Reichweiten von Elektrofahrzeugen erhöht und die Ladeinfrastruktur weiterhin zügig ausgebaut werden können, haben die Stromer gute Karten, das Rennen um die Mobilität von morgen zu gewinnen. Auf dem Weg dahin sind Hybridfahrzeuge vielversprechende Reisebegleiter. Und die Brennstoffzelle? Ihr sauberer Ruf ist so tadellos wie ihre Reichweite und die minutenschnellen Betankungszeiten. Alles steht und fällt jedoch mit dem Ausbau des Wasserstofftankstellennetzes – eine Herkulesaufgabe, die zu stemmen es noch großer Investitionen bedarf.
Unser Tipp: Bleiben Sie offen für alles. Wir von Athlon sind es auch und arbeiten daran, zukunftsweisende Mobilitätstrends frühzeitig zu identifizieren und mit Ihnen umzusetzen.


Quellennachweise:
(1) Progenium: https://www.progenium.com/wp-content/uploads/2017/05/1704_Das-kostet-Elektromobilit.pdf
(2) Herstellerangaben (Tesla Model S)
(3) ADAC: https://www.adac.de/der-adac/motorwelt/reportagen-berichte/auto-innovation/test-mercedes-eqc-elektro-suv/
(4)Herstellerangaben (VW e-Golf)
(5) Herstellerangaben (BMW i3 120 Ah)
(6)Herstellerangaben (Tesla Model 3)
(7)ADAC: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/e-mobilitaet/laden/elektroauto-ladesaeulen-strompreise/
(8) EON: https://www.eon.de/de/eonerleben/e-mobility-ladeoptionen.html
(9)Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge (Stand: 22.07.2019) https://www.bafa.de/SharedDocs/Downloads/DE/Energie/emob_liste_foerderfaehige_fahrzeuge.pdf?__blob=publicationFile&v=79
(10) H2: https://h2.live

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