Elektrisch durch den Winter

Gehen die Temperaturen in den Keller, müssen sich Fahrer von Elektroautos einiges anhören, was Reichweite angeht. Die „Reichweitenangst“ ist besonders bei den Deutschen immer noch weit verbreitet.  Der Begriff steht zwar noch nicht im Duden, aber bei Wikipedia gibt es bereits einen Eintrag. Viele befürchten, mit leerem Akku liegen zu bleiben, fern einer Ladestation. Dabei fahren Deutsche im Schnitt nur rund 43 km täglich – und diese Strecke schaffen E-Autos in der Regel problemlos. Tatsache ist jedoch, dass das E-Auto im Winter deutlich an Reichweite verliert.
Das können je nach Fahrzeug und bei sehr tiefen Außentemperaturen bis zu 41 % bei eingeschalteter Heizung sein(1).

Gesparte Energie heißt mehr Power.

Warum geht die Kälte auf die Reichweite? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist es der höhere Energieaufwand, der durch Heizung und Licht in der kalten Jahreszeit entsteht. Zum zweiten haben die niedrigen Temperaturen auch einen negativen Einfluss auf die Leitfähigkeit innerhalb der Batterie. Das Ergebnis: Der Wirkungsgrad des Energiespeichers sinkt. Bei manchen E-Autos wird deshalb nicht nur der Innenraum beheizt, sondern auch zusätzlich das Akku-Paket. Auch das bedeutet wieder einen höheren Energieaufwand. Außerdem erzeugt das E-Auto im Gegensatz zum Verbrenner keine Abwärme. Die ganze Wärme muss also erst einmal erzeugt werden.  Auch auf das Laden haben geringe Temperaturen negative Auswirkungen, denn die chemische Reaktion, die in der Batterie stattfindet, verläuft langsamer. Wenn beim Laden die Temperaturen dauerhaft niedrig sind und der Akku weder warm noch beheizt ist, verlängert sich der Ladevorgang entsprechend. Jedes Grad gesparte Energie heißt mehr Power für die Batterie. Vor allem der Betrieb der Heizung geht auf Kosten der Akku-Ladung. Stellt man sie ab, sind es im Schnitt nur noch zwölf Prozent Reichweitenverlust. Damit Sie auf der Fahrt dennoch nicht in Ihrem E-Auto frieren, hier ein paar Tipps. 

Winterharte Tools & Tipps.

TIPP 1: E-Auto am besten in der Garage abstellen. Hier ist das E-Auto sehr viel weniger der Kälte ausgesetzt und die Batterie kühlt nicht so schnell ab. 

TIPP 2: Sitz- und Lenkradheizung aktivieren. Diese Investition lohnt sich. Denn beide arbeiten deutlich effektiver als die klassische Heizung. So kann die Heizleistung im Innenraum gedrosselt und die Reichweite ohne Komfortverlust erhöht werden.

TIPP 3: Durch eine App das Fahrzeug vorwärmen. So wird auch die Fahrzeugbatterie vorgeheizt, um Leistung, Brems- und Ladeverhalten zu optimieren. Am besten an einer ausreichend dimensionierten Wallbox/Ladestation anschließen – dann kommt die dafür nötige Energie aus dem Netz. Die Reichweite wird somit nicht durch das Aufheizen des Innenraums belastet. Und auch auf die Energie-Rückgewinnung beim Bremsen (Rekuperation) hat ein warmer Akku positiven Einfluss. 
Alternative wäre auch, das Auto vor dem Start mit einem kleinen Kfz-Heizlüfter vorzuwärmen.  

TIPP 4: Ladetimer entsprechend einstellen. Wer morgens mit seinem E-Auto ins Büro fährt, sollte optimalerweise auch morgens laden. Denn die Batterie kann gar nicht erst auskühlen, wenn der Übergang vom Laden ins Fahren ohne Unterbrechung erfolgt. 

TIPP 5: Eco-Modus nutzen. Gerade im Winter sollten Fahrer die in vielen Elektroautos vorhandenen Fahrmodi nutzen. Sie trimmen das Energiemanagement auf maximale Effizienz. Zum Beispiel haben Mercedes-Benz, Tesla, aber auch weitere Hersteller ihre  E-Autos mit Fahrmodi versehen, die dazu dienen, die Einflüsse der niedrigen Temperaturen zu reduzieren. Einen Haken hat der energiesparende Fahrmodus allerdings: Je länger die Fahrtzeit, desto höher ist der Wärmebedarf. Da ist der gesunde Kompromiss gefragt. Der Eco-Modus ist bei kürzeren Strecken eine gute Wahl, bei mehr Kilometer ist das schnellere Ankommen am Ziel oft energiesparender. Denn je kürzer die Fahrtzeit, desto geringer ist der Wärmebedarf.

TIPP 6: Beim Kauf E-Auto mit Wärmepumpe wählen. Modelle mit Wärmepumpe heizen mit mehr Effizienz und verbrauchen dabei weniger Strom. Aus einem Kilowatt elektrischen Strom kann eine Wärmepumpe drei Kilowatt Wärmeleistung erzeugen. Damit wird die Temperatur von Batterie, Motor und Leistungselektronik auf ein höheres Level gebracht. Einige Fahrzeuge können sogar die Abwärme der Traktionsbatterie, der Leistungselektronik und des Motors zum Heizen des Innenraums nutzen. Für die Kaufentscheidung heißt das: Am besten ein Fahrzeug mit Wärmepumpe in Kombination mit beheizbarem Akku wählen.


Elektrisierender Winterspaß

Norwegen zeigt, dass sich Elektromobilität und kaltes Wetter gut vertragen. Die Zahl der erstmals zugelassenen Elektroautos ist in den ersten drei Quartalen 2019 um 57,7 Prozent gestiegen(2). Ein E-Auto überzeugt im Winter durch viel Traktion und eine besonders stabile Kurvenlage. Das Gewicht der Akkus im Unterbau sorgt für einen echten Vorteil in der Straßenlage.

Übrigens, noch eine gute Nachricht für E-Auto-Fahrer: Ein Einfrieren der Batteriesysteme ist dank verschiedener Isolierungen nicht zu befürchten. Mercedes-Benz zum Beispiel stattet die Lithium-Ionen-Batterie des EQC mit einer speziellen Batterieheizung aus, die für optimale Effizienz beim Laden sorgt. 

Sie sehen: Auch im Winter kann ein elektrischer Fuhrpark voll genutzt werden. Wie Sie Ihre Flotte zukunftsfähig machen und worauf Sie bei der Elektrifizierung achten müssen, sagen Ihnen die Mobilitätsexperten von Athlon.

Quellennachweise:
(1)Angabe zu Reichweitenverlust: MOOVE 3/19 (auto, motor, sport)
(2)https://businessportal-norwegen.com/2019/10/02/elektroautos-in-norwegen-weiter-auf-dem-vormarsch/ Zurück zur aktuellen Ausgabe