Elektromobilität in der Flotte

Reichweite ist nicht alles!

Mobilität neu gedacht - Wieviel Reichweite brauche ich wirklich?

Immer mehr Elektrofahrzeuge strömen auf den Markt. Die wesentlichen Unterschiede der Modelle liegen in der Reichweite. Je leistungsstärker die Akkus, desto größer ist in der Regel auch die Reichweite. Derzeit liegt die größte Reichweite bei 450 Kilometer, was für den klassischen Einsatz mehr als ausreichend ist. Sollte man doch mal weitere Strecken fahren, lässt sich das Auto über ein Schnellladegerät auf den Autobahnraststätten problemlos nachladen. Aber ist Reichweite wirklich das wichtigste Kriterium bei der Wahl des neuen Elektrofahrzeuges? Oder soll es eher ein kleines, wendiges Auto sein, mit dem man in der Stadt auch in die kleinste Parklücke passt, oder eher ein Raumwunder, in dem sich alles transportieren lässt? Die individuellen Anforderungen an das optimale Fahrzeug können so unterschiedlich sein wie die Farben der RAL Palette. Stellt sich im ersten Schritt also erst einmal die Frage:

Was für ein Reichweitentyp bin ich?

Jeder Mensch hat ganz eigene Anforderungen und Ideen, wie er von A nach B kommen möchte. Mobilität ist also absolut individuell. Und auch jede Flotte ist anders. Um entscheiden zu können, welches Fahrzeug das Richtige ist, gilt es, erst einmal im Rahmen der Fuhrparkanalyse die Nutzerprofile der FahrerInnen genau zu bestimmen. Erst dann lassen sich die Anforderungen an ein Elektrofahrzeug genau festlegen und der Fuhrpark entsprechend zusammenstellen.

Analyse von Nutzerprofilen und Ladeverhalten und die entsprechende Ableitung der individuellen Bedürfnisse und Anforderungen

Nutzerprofile werden auf Basis der Fuhrparkdaten wie Laufzeit, jährliche Fahrleistung, Einsatzgebiet oder Tagesstrecken analysiert. Ein weiterer Parameter, der berücksichtigt werden sollte, ist das Ladeverhalten der Nutzer. E-Fahrzeuge werden „getankt“, während sie parken: ob auf dem Firmenparkplatz oder in der Tiefgarage des Bürogebäudes (@depot), beim Einkaufen oder auf dem Hotelparkplatz (@public) oder aber auch zuhause sowie einem angemieteten Stellplatz (@home). Dazu braucht es allerdings eine smarte Ladeinfrastruktur, die die Mobilität der Flotte gewährleistet. Zur Veranschaulichung brechen wir die Profile im Folgenden auf drei Reichweitentypen herunter:

Typ 1 – der Cityflitzer. Er legt zahlreiche, kurze Strecken im Stadtverkehr zurück, ist mit dem Stop-and-Go Verkehr in Innenstädten konfrontiert und verlässt im Durchschnitt einen Radius von 25 km zu seinem Ausgangspunkt nicht. Geladen wird sowohl während der Arbeitszeit @depot, beim Einkaufen @public als auch zuhause @home.

Typ 2 – der Cruiser. Er legt einige wenige Fahrten am Tag zwischen 25 und 100 km zurück, die Strecken enthalten Straßen innerhalb der Stadt, Landstraßen und Autobahnen. Das Fahrzeug wird in der Regel nur morgens oder abends auf dem Firmenparkplatz oder beim Mitarbeiter zu Hause abgestellt. Der Ladevorgang findet primär am Bürogebäude @depot und zuhause @home statt.

Typ 3 – der Langstreckenprofi. Er ist permanent on the road und legt im Schnitt > 30.000 Kilometer im Jahr zurück. Hier erfolgt die Ladung für gewöhnlich zuhause @home.

Es gibt inzwischen ein ganzes Angebotsspektrum an Elektrofahrzeugen, Tendenz weiter steigend – von komplett batteriebetriebenen Fahrzeugen bis hin zu Plug-in-Hybriden. Das größere Angebot führt gleichzeitig zu attraktiveren Preisen. Die Chance, das optimale Elektromodell für die eigene Flotte zu finden, steigt entsprechend. Die großen Unterschiede liegen in erster Linie in den Reichweiten von 100 bis über 450 km. Grundsätzlich gilt: Alle Elektrofahrzeuge können abgestimmt auf den jeweiligen Bedarf problemlos in die Flotte integriert werden. Aber welche Fahrzeugtypen gibt es überhaupt?

Rein elektrische Fahrzeuge (EV) haben einen Elektromotor und werden ausschließlich über den Strom einer Batterie angetrieben. Je nach Modell liegt die Reichweite der derzeit verfügbaren Fahrzeuge bei 100-450 km, bevor das Fahrzeug wieder geladen werden muss. Auch bei der Nutzung als Dienstwagen gilt eine solche Reichweite für über 75% aller Fahrten als ausreichend, da die neuesten Modelle innerhalb von ca. 20 Minuten den Akku auf 80% laden können. Elektrofahrzeuge schöpfen ihr Potenzial besonders auf kurzen Strecken im Stadtverkehr mit viel Stop-and-Go Verkehr aus. Beim Bremsen nutzen viele Modelle die Rekuperation, bei der Energie zurückgewonnen und die Batterie damit geladen wird. Ist ein Teil der Flotte beispielsweise im Bereich Transport und Logistik mit kurzen Standzeiten auf kurzen Strecken unterwegs, wie ein Lieferservice auf der „letzten Meile“, bieten sich Elektrofahrzeuge geradezu ideal an.

Zwei weitere Aspekte, die unmittelbaren Einfluss auf die Reichweite haben, sind die Parameter Gewicht und Temperatur. Je schwerer das Elektrofahrzeug ist und je mehr es beladen wird (Personen oder Waren), desto mehr Energie ist notwendig und desto geringer ist die Reichweite. Auch die Temperatur hat Einfluss auf die Reichweite. Sie kann um bis zu 40 Prozent abweichen (Sommer/Winter).

Hybride kommen meist als sog. parallele Vollhybride zum Einsatz, also Fahrzeuge, deren Antrieb im Wechselspiel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor erfolgt. Dies ermöglicht eine höhere Gesamtreichweite (abhängig von Batteriekapazität und der Kraftstofftankgröße, sowie Gewicht und Beladung) und eine größere Unabhängigkeit von den Ladestationen. Der Elektromotor kommt nur als Anfahrhilfe, bei kurzen Strecken und geringen Geschwindigkeiten oder in Verbindung mit dem Verbrennungsmotor bei vollem Leistungsabruf zum Einsatz, während bei längeren Fahrten und hohen Geschwindigkeiten ausschließlich auf den Verbrennungsmotor gewechselt wird. In der Praxis können die Motoren beide Anforderungen bestens vereinen und erlauben eine hohe Wirtschaftlichkeit des Gesamtpaketes.

Plug-In-Hybride (PHEV) sind ebenfalls vollhybride Fahrzeuge, bei denen sich die Batterie nicht nur über den Verbrennungsmotor aufladen lässt, sondern außerdem über einen externen Ladeanschluss. Im Gegensatz zu den oben genannten parallelen Hybriden bieten sie den Vorteil, dass sie auf kurzen Strecken rein elektrisch betrieben werden können und für größere Entfernungen, wie längere Autobahnfahrten, auf den Verbrenner zurückgreifen. Sie gewährleisten damit eine größere Reichweite als rein elektrische Fahrzeuge und sind somit flexibler. Allerdings haben sie auf Langstrecken gegenüber dem Pkw mit Verbrennungsmotor den Nachteil, dass sie durch das oftmals höhere Gewicht und den höheren Kraftstoffverbrauch teurer sind. Um die wirtschaftlichen Vorteile eines Elektrofahrzeugs gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor voll zu nutzen, müssen allerdings auch Plug-in-Hybride nach Möglichkeit häufig im elektrischen Modus gefahren werden. Die meisten neu auf den Markt kommenden Hybride sind als Plug-In ausgelegt.

Ob EV, Hybrid oder PHEV – Elektrofahrzeuge können unterschiedlich in die Flotte integriert werden: als Dienstwagen oder Pool-Fahrzeug. Während der Dienstwagen einem einzelnen Mitarbeiter zur Verfügung steht, können Poolfahrzeuge in Verbindung mit intelligenten Buchungssystemen von mehreren Mitarbeitern genutzt werden und entsprechend ihrer Reichweite und notwendigen Ladezeiten effizient eingesetzt werden. Erste Erfahrungen zeigen, dass PHEV Nutzer positiv überrascht sind, dass doch sehr viele Strecken elektrisch abgebildet werden können, da ein Ladevorgang jeden Tag zuhause und/oder am Bürogebäude möglich wäre. Dieses Wissen steigert die Bereitschaft, einen Umstieg auf ein PHEV in Betracht zu ziehen oder sogar ganz auf vollelektrisch umzustellen.


Reichweite neu verinnerlichen: Neue Antriebe = neue Gewohnheiten

Fahrer von klassischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor reagieren ganz unterschiedlich sobald die Tanknadel auf Reserve fällt und die Reichweite im Schnitt nur noch bei ca. 50-70 km liegt. Für die einen kommt Unruhe auf und sie halten direkt Ausschau nach der nächsten Tankstelle. Sie brauchen die Sicherheit, immer genug Kraftstoff zu haben und dadurch flexibel zu sein. Andere fahren den Tank bis auf den letzten Tropfen leer und sind immer noch ruhig, selbst wenn sie auf die nächste Tankstelle rollen. Was ist viel oder wenig Reichweite? Wie weit komme ich wirklich mit dem vorhandenen Kraftstoff? Reicht es bis zur nächsten Tankstelle? Es ist eine Gewohnheit, eine gelernte Bewertung, ob 70 km viel oder wenig Reichweite sind – unabhängig davon, ob man sie überhaupt braucht oder nicht.

Mit Elektromobilität gilt es mit diesen alten Gewohnheiten zu brechen und besser einschätzen zu lernen, wieviel Energie das Fahrzeug tatsächlich braucht, um wo hinzukommen. Eine weitere bahnbrechende Veränderung ist, dass laden nicht mit tanken vergleichbar ist. Während des Ladevorgangs kann das Auto stehen gelassen und verschlossen werden, und der Fahrer hat damit die Möglichkeit, seine Zeit ganz anders zu nutzen, als zu warten.

Speziell für die Ladeinfrastruktur von Flotten gibt es das Dynamic Load Balancing. Das System greift insbesondere während Spitzenzeiten, wenn mehr Ladepunkte verwendet werden, zum Beispiel am Morgen, wenn alle gleichzeitig am Arbeitsort eintreffen. Es verhindert eine Überlastung des Netzes und gewährleistet eine möglichst effiziente Nutzung der verfügbaren Leistungskapazität. Der Ort der Ladung hängt dabei ganz von der Flottennutzung und den räumlichen und elektrotechnischen Voraussetzungen ab.

5 Tipps, wie ich meine Reichweite positiv beeinflussen kann

Grundsätzlich hängt die Reichweite nicht allein von der Stärke des jeweils verbauten Akkus ab, sondern auch der Fahrer hat ganz maßgeblichen Einfluss auf die tatsächliche Reichweite.

Gewusst wie.

Wer sein Auto kennt, kann die einzelnen Systeme gezielt zur Reichweitenerhöhung einsetzen. Mit dem Eco-Modus oder auch Einsatz des Tempomats kann der Fahrer die Reichweite deutlich erhöhen. Schnelle Beschleunigung und unruhiges Fahren verbrauchen viel Energie.

Wer bremst, gewinnt

Durch Rekuperation Reichweite erhöhen. Elektrofahrzeuge schöpfen ihr Potenzial besonders auf kurzen Strecken im Stadtverkehr mit viel Stop-and-Go Verkehr aus. Beim Bremsen nutzen viele Modelle die Rekuperation, bei der Energie zurückgewonnen und die Batterie damit geladen wird.

Auf das Klima kommt es an.

Auch die Temperatur hat große Auswirkung auf die Reichweite. Ist es draußen kalt, erhöht sich die Reichweite, wenn Akku und Fahrzeug während des Ladevorgangs und somit vor Fahrtantritt erwärmt werden. Das gleiche Prinzip gilt im Sommer, wenn Sie das Auto kühlen möchten.

Ice Ice Baby

Wintertipp: auch in der kalten Jahreszeit kann man es im Auto warm haben, ohne zu viel Energie aufzuwenden. Wer im vorgeheizten Auto auf Sitz- und Lenkradheizung setzt, statt die Autoheizung einzuschalten, kann bis zu 25% Batterie sparen.

Für den Notfall

Und wenn es mal ganz knapp wird, gilt, alle elektronischen Tools ausstellen. Egal ob Radio, Klimaanlage, Heizung, Navigationsgerät – alle Energie fürs Fahren verwenden.

Ladeinfrastruktur in Deutschland - Mobilität bewusst erleben

Elektromobilität erfordert Umdenken. Eine gute Reiseplanung ist das A&O, um unerwartete Überraschungen zu vermeiden. Dazu gehört neben der Routenplanung Lademöglichkeiten im Blick und bei Bedarf ein Schnellladekabel im Gepäck zu haben.

Die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte wird mit der Anzahl der Elektrofahrzeuge wachsen, so die NPE (Nationale Plattform für Elektromobilität). Für das Jahr 2020 hat die NPE einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten und 7.100 Schnellladesäulen ermittelt, die unter anderem entlang von Autobahnen lange Fahrten sichern. Aktuell sind ca. 21.000 öffentliche Ladepunkte in Betrieb (Stand November 2019).

Die Bereitstellung intelligent vernetzter Ladelösungen und der komfortable Zugang spielen bei der Elektrifizierung von Flotten eine übergeordnete Rolle. Egal, ob man im individuellen Nutzerprofil nun viel oder wenig Reichweite braucht – geladen werden muss jedes Elektrofahrzeug irgendwann. Um den Kunden eine möglichst bequeme, unkomplizierte sowie – insbesondere für gemischte Flotten relevant – markenneutrale Komplettlösung im Bereich der Ladeinfrastruktur zu bieten, kooperiert Athlon mit der THE NEW MOTION DEUTSCHLAND GmbH, einem der führenden Anbieter von Ladelösungen in Europa. Das ganzheitliche und modular aufgebaute Angebot bietet maßgeschneiderte Lösungen für alle Ladeanforderungen. Von der Beratung über die Installation bis hin zum Betrieb der Ladepunkte erhalten Kunden auf Wunsch umfassende Dienstleistungen rund um das Thema Laden. Dazu gehören Ladestationen an Unternehmensstandorten, Heimladestationen für Mitarbeiter sowie der Zugriff auf öffentliche Ladepunkte.

Die Shell Hybrid Card von Athlon

Die Athlon Germany GmbH bietet seinen Kunden in Kooperation mit dem Energiekonzern Shell NewMotion, die Shell-Hybrid-Card an. Mit der neuen Karte können Kunden nicht nur Kraftstoffe tanken, sondern erstmals auch Strom laden und abrechnen. Im Shell- und NewMotion-Ladenetz stehen dazu deutschlandweit über > 23.300 Ladepunkte zur Verfügung. Die Abrechnung aller Tank- und Ladevorgänge sowie weiterer Serviceleistungen erfolgt für den Kunden bequem über eine Rechnung. Zusätzlich ist die Karte mit einem RFID-Chip ausgestattet, der den einfachen Zugriff auf Ladesäulen ermöglicht. Über eine App können Fahrer Ladestationen im öffentlichen Raum finden und Abrechnungen sowie die eigene Ladehistorie einsehen.

Die Grundfunktionen der App:

  • Ladesäulenfinder im öffentlichen Bereich
  • Navigation zu Ladestationen
  • Push-Benachrichtigungen, wenn ein Ladevorgang abgeschlossen ist oder Ladesäulen verfügbar sind
  • Abrechnungsübersicht
  • Starten und Beenden von Ladevorgängen
  • Ladestellenrechner NewMotion

Außerdem bekommen Arbeitnehmer, die zu Hause eine firmeneigene Ladestation nutzen, die Stromkosten automatisch über die App erstattet.

Noch mehr zur Shell Card von Athlon erfahren Sie hier.

Fazit:

Reichweite allein ist nicht alles. Entscheidend bei der Wahl des Elektrofahrzeuges ist, dass es ideal zu dem eigenen Anforderungsprofil passt. Und das erfordert ein Umdenken. Ein Bewusstwerden für Mobilität und Ressourcen, den Aufbruch in eine neue Zeit, in der alle gemeinsam umweltbewusst und nachhaltig agieren – dazu gehört es, mobil zu sein, aber bewusst zu entscheiden. Elektromobilität eröffnet Flotten ganz neue Möglichkeiten. Unternehmen leisten so nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, sondern geben ein klares Statement in Sachen moderne Mobilität.

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