Zweimal zum Mond und zurück

Und täglich grüßt das Murmeltier.

Jeden Tag Stillstand statt Mobilität auf deutschen Straßen. Laut ADAC-Statistik haben sich Staus seit 2011 mehr als verdreifacht auf 1,5 Mio. km 2018 (1). Zu viele Menschen und immer mehr Fahrzeuge sind zur selben Zeit in dieselbe Richtung unterwegs. Laut Kraftfahrtbundesamt waren 2018 etwa 46,5 Mio. Pkws angemeldet – 11,4 Prozent mehr als 2008. Und auch der Lkw-Verkehr hat deutlich zugenommen. Immer mehr ballt sich der Verkehr in den Städten – und der öffentliche Nahverkehr ist häufig keine Alternative. Nicht zuletzt sind da die Klassiker der Stauursachen: immer mehr Unfälle aufgrund der Verkehrsdichte sowie Baustellen. Gerade diese werden uns noch eine ganze Weile beschäftigen, da viele Fahrbahnen, Brücken und Tunnel in die Jahre gekommen sind und saniert werden müssen.

Schwarm ohne Intelligenz.

Staus nerven alle, aber Stauforscher wissen: Ein wesentlicher Faktor, der insbesondere auf Schnellstraßen und Autobahnen den Verkehrsfluss hemmt, ist der Fahrer selbst. Denn würden alle mit konstanter Geschwindigkeit und Abstand fahren, gäbe es weniger Staus, alle wären schneller am Ziel und der Energieverbrauch wäre deutlich geringer. Ein ADAC Staureporter hält die Schwarmintelligenz für ein Erfolgsmodell. Auch in der Tierwelt orientieren sich Individuen an bestimmten Bewegungsmustern. Die wichtigste Regel lautet hier: konstanten Abstand halten, um das Stauproblem gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Aber: Obwohl als Schwarm unterwegs, setzt sich bei uns das Individuum mit seinem individuellen Fahrstil durch. Ob der ständig nach Lücken suchende Spurwechsler, der schwört, dass er so schneller ans Ziel kommt, oder der beharrliche Mittelspurschleicher, der die rechte Fahrspur ausschließlich Lkws und Wohnmobilen zuerkennt. Nicht zuletzt gibt es nach wie vor das Phänomen des Einordnens im Reißverschlussverfahren, das aus Angst, nicht auf die Spur gelassen zu werden, schlichtweg von vielen als impraktikable Option angesehen wird.

Raus aus der Dauerschleife.

Es gibt Wege aus dem Stau. Zum Beispiel vernetzte Assistenzsysteme, die bereits viele Fahrfunktionen automatisieren, um Fahrer zunehmend zu entlasten. Im nächsten Schritt folgt dann die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander, was eine gleichmäßige Kolonnenfahrt in geringem Abstand zueinander begünstigt und dabei hilft, die daraus resultierenden Stockungen und Staus zu vermeiden. In der Fachwelt wird dies als „Platooning“ bezeichnet, abgeleitet von einem militärischen Zug, dem Platoon. Abhilfe kann und wird eines Tages das autonome Fahren schaffen. Doch bis es so weit ist, können wir nur durch umsichtige Fahrweise zur Stauvermeidung beitragen. Deshalb: Fahren Sie kooperativ und halten Sie genügend Abstand, um Staus zu vermeiden. Damit wir alle schneller am Ziel sind. Übrigens, Motor ausschalten schont Umwelt, Geldbeutel sowie Kupplung und Bremse.

Mythen und Märchen über Staus.

Beim Stau die Autobahn schnellstmöglich verlassen.

Stauforscher sagen: Solange ein Stau nicht auf einer Vollsperrung beruht, kommt man auf der Autobahn in den meisten Fällen am besten voran, weil der Verkehr zwar zäh, aber immer noch irgendwie fließt. Außerdem folgen ca. 40 Prozent der Navi-Nutzer den Empfehlungen ihrer Geräte.

Spurwechsel bringen schneller durch den Stau.

Irrtum. Ständige Spurwechsel können sogar hinderlich für den Verkehrsfluss sein, weil dadurch die Stauwelle nach hinten noch verstärkt wird.

Die auf den anderen Fahrspuren sind immer schneller.

Das ist nur ein psychologischer Effekt. Wir merken uns eher die Fahrzeuge, die an uns vorbeifahren. Tatsächlich relativiert sich aber das Tempo auf verschiedenen Fahrspuren.

Lücken in Staus möglichst schnell auffüllen.

Ein Stau besteht immer aus Stauwellen. Besser wäre es, gleichmäßiges Tempo beizubehalten und nicht immer sofort aufzuschließen. Denn jede Tempoveränderung fördert den Stau.

Kilometerangaben helfen, den Stau einzuschätzen.

Stimmt nicht. Bei Staus kommt es auf die interne Geschwindigkeit an und welche Art von Verkehr. Pendler verhalten sich z. B. effektiver als Urlauber, die die Strecke nicht kennen.

Noch ein Urlaubs-Tipp vom Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg: Urlaubsreisen mit dem Auto in der Ferienzeit möglichst nicht an einem Wochenende starten. Besser unter der Woche, denn da sind mehr Profis unterwegs.

Quellennachweise:
(1)ADAC, Statistisches Bundesamt
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